Schreibübungen für geistige Fitness und Spaß am Fabulieren
Reich an Worten in nur fünf Minuten am Tag
Viele Schreibratgeber empfehlen den eigenen Sprachfluss mit täglichen Übungen wie kurzen Beschreibungen zu verbessern. In fünf oder zehn Minuten sollen die Mimik eines Gesichts, ein gefallener Handschuh oder auch die typische Bewegung einer Katze beschrieben werden. Auf jeden Fall erfordern diese Übungen eine gute Beobachtungsgabe, die sich auf Dauer schulen lässt.
Wechsel der Perspektive für verbesserte geistige Beweglichkeit
Neben den Beschreibungen, die den Blick aufmerksam werden lassen, machen auch die Perspektivwechsel beim Formulieren Spaß. Das Beschreiben eines Ereignisses aus verschiedenen Perspektiven ist ein wenig wie die Gestaltung eines Dialogs, in dem verschiedene Figuren aneinander vorbeireden. Zum Beispiel kann für eine Figur auf dem Weg zur Arbeit am frühen Morgen das Einsetzen eines Schneetreibens nervenaufreibend sein. Ein Kind wird sich während des Schneetreibens über die Schneeballschlacht am Nachmittag freuen. Und ein Bauherr eines überdachten beheizten Swimmingpools könnte sich über die Verzögerungen auf der Baustelle wegen der Nässe ärgern. Alle drei Figuren könnten am Abend gemeinsam ihr Abendbrot essen und sich über die romantische Schneedecke vor dem Fenster im Garten freuen.
Erzählperspektiven wie aus dem Schulbuch
Eine andere Art Wechsel der Perspektive als Übung beim Schreiben ist das Erzählen einer kurzen Begebenheit aus den schon aus der Schule bekannten Erzählperspektiven. Sowohl der allwissende als auch der personale und der neutrale Erzähler sowie der Ich-Erzähler bieten verschiedene Optionen für die Preisgabe von Informationen. Während ein Ich-Erzähler wütend auf eine andere Figur ist, kann der neutrale Erzähler die Wut mit zitternden Händen darstellen. Und der allwissende Erzähler darf sogar erklären, wo die Wut ihren Ursprung hat.
Im Laufe der Zeit
Eine dritte Variante des Perspektivwechsels ist das Beschreiben einer Situation aus der Sicht einer einzigen Person in verschiedenen Lebensabschnitten. Ein Teenager kann einen Musikstar auf der Bühne anhimmeln und gleichzeitig in die Tochter der Nachbarn verliebt sein. Nach ein paar Ehejahren kann diese Jugendliebe erkaltet sein und sich als Fehlgriff erweisen. Die Lieblingsmusik von früher wird zur unerwünschten Erinnerung. Wieder zehn Jahres später wird nach dem Burnout alles egal und nicht einmal die Kraft für eine echte Midlife-Crisis ist übrig, sodass es Zeit für einen Neustart wird.
Kleiner Aufwand - maximales Ergebnis
Die geistige Beweglichkeit kann sich verbessern, wenn das Denken in Perspektivwechseln zur Gewohnheit wird. Der Richtungswechsel beim Denken sorgt für mehr Flexibilität der grauen Zellen.
Schon mit fünf bis 15 Minuten am Tag lässt sich die eigene Sprachwelt erweitern, sodass man der gefürchteten Bubble und dem damit möglicherweise verbundenen Tunnelblick entkommen kann. Und dann kann die Bubble zu einer sprachlichen Eigenheit für eine Figur in einer Geschichte werden wie ein Dialekt, der in Schreibtipp Nummer 4 Thema sein wird.